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"UNTER DRUCK - ein multimedialer Ritt durch den Trollwald" ist ein experimentelles Werkstatt-Projekt, in dem die aus verschiedenen Bereichen kommenden Künstler*innen ein neues Format des Zusammenspiels zwischen Schauspiel, Videokunst und IT entwickelt und erprobt haben. Begonnen im Frühjahr 2022 fanden erste Vorführungen Ende August im Rahmen der 20. Lübecker Museumsnacht und Anfang September in der Katharinenkirche in Lübeck statt. Die Künstler*innen planen eine Weiterentwicklung des Projektes und Formats in der Zukunft. 

 



„Du musst stark sein, perfekt, schnell, effektiv, besser…“

Sätze, Bilder, Videos, die uns das täglich spiegeln und vor Augen halten. Sie lassen unseren Puls in die Höhe schießen, bereiten uns Atemnot und Kopfschmerzen. Jede*r kennt dieses Gefühl „unter Druck“ zu stehen - sei es durch äußere Einflüsse oder den eigenen Anspruch. Es scheint nie genug zu sein.

In diesem Alltagsrad rotierend fällt Hedda wortwörtlich in die Welt der nordischen Märchenfiguren...

Du wachst auf und findest dich plötzlich in einem düsteren Wald wieder - keinen Schimmer, wie du hier gelandet und wo du genau bist. Der Geruch des nassen Waldbodens kriecht in deine Nase, in der Ferne hörst du Motorsägen heulen. Deine Gedanken rasen, deine Beine sind wacklig. Du spürst wie sich dein Brustkorb enger zieht, du schlechter atmen kannst. Moment, wo ist eigentlich dein … ???!!! Oh nein, es muss dir aus der Hand gefallen sein. Du tastest hektisch den Waldboden ab. Da nimmst du über dir eine Bewegung war und aus dem Nichts platziert sich ein gigantischer Huf knapp neben dir … wo bist du hier nur gelandet?

Und das ist der Anfang von Heddas Geschichte: im Trollwald begegnet sie u.a. einem Waldgeist, einem sturen Nissen und einem hinterhältigen Nöck. Auch diese fantastischen Wesen des Nordens sind nicht frei von Druck. Schaffen sie es sich davon zu befreien? 

Das Märchen-Format
„UNTER DRUCK - ein multimedialer Ritt durch den Trollwald“ spielt, wie der Titel schon verrät, in einem mystischen, nordischen Wald. Hedda, die Protagonistin der Geschichte, begegnet dort diversen skandinavischen Märchengestalten: von einem „klassischen Waldtroll“, den man in einem Trollwald ja schon vermuten kann, über einen gewitzten Nissen bis hinzu dem gefährlichen und gestaltenwandelnden Nöck im See. 

Die künstlerische Entscheidung, die Geschichte in diesem mystischen Wald stattfinden zu lassen, beruht vor allem in der Zeitlosigkeit, die das Bild eines Waldes darstellt. Der Wald an sich, dieser Ort des Rückzugs, der Poesie, des Lebens und des Abenteuers, bietet für jede Generation Identifikationspotenzial.

Das Motiv des Waldes zieht sich auch durch das Leben und die Werke von Günter Grass. Mit großem Einsatz machte Grass durch seine Werke auf die fortschreitende Zerstörung des Waldes durch den Menschen aufmerksam. Das Element der Waldzerstörung findet auch in unserer Inszenierung Gestalt: der Wald soll gefällt werden und der Waldtroll, quasi der oberste Verwalter des Trollwalds, ist unter dem Druck, dem er ausgesetzt ist, den Wald zu retten, am Ende seiner Zauberkräfte und seines Einfallsreichtums.
In „UNTER DRUCK“ wird der gesellschaftliche und der eigene Druck von „es ist nie genug“ behandelt. Um sich diesem Thema mit einem anderen Ansatz zu nähren, fiel die Entscheidung auf das Einbinden der Märchenfiguren. Diese schaffen eine erste augenscheinliche Distanz und Abstraktion - und doch wird im Laufe der Geschichte klar, dass sie die selben Punkte haben wie wir, die wir nicht Schwimmflossen haben oder aus Holz sind. 


Die Musik
Die Inszenierung wird musikalisch von dem im Norden angesiedelten Duo „Pabameto“ ergänzt. Pay Bandik und Melf Torge Nonns Kompositionen ordnen sie dem „nordischen Folk“ zu. Diese Musikrichtung besticht durch ihre Melange aus Heiter- und Leichtigkeit, Verspieltheit, dunklen und manchmal tiefen, schweren Tönen. Diese magisch-mystische Note der Musik untermalt und erzählt die Geschichte von Hedda im Trollwald auf einer weiteren Ebene. 

Arbeitsweise

Die Arbeitsweise und Entstehung von „UNTER DRUCK“ hat auch zeitgleich einen forschenden und experimentellen Charakter: keiner der Künstler*innen hat je zuvor an einem vergleichbaren Konzept gearbeitet. Auf der Bühne wird es nur eine Schauspielerin geben, die übrigen Gegenspieler*innen, also die Märchenfiguren, treten digital über Video auf, werden also auf der Leinwand, die das Bühnengeschehen einrahmt, erscheinen. Schauspielerin Ronja Donath hat in der Vorproduktion alle Märchenfiguren selber „eingespielt“, in dem ihre Bewegungen durch die so genannte Motion-Capture-Technik des kybernetischen Künstlers Dirk Hoffmeister über Kamera aufgenommen wurden. Hoffmeister programmierte ein eigenes Framework extra für dieses Projekt, das eine einzigartige Grundlage für diese interdisziplinäre Kunstform ist. Die Märchenfiguren und Hintergründe wurden von der Videokünstlerin Pola Rader gestaltet. Im engen Zusammenspiel und Abstimmung zwischen diesen drei Bereichen (Schauspiel, Videokunst, IT) entwickeln die Künstler*innen gemeinsam das Projekt bis im letzten Schritt die Musiker von „Pabameto“ hinzukommen. 


Das Team, bestehend aus Schauspielerin Ronja Donath, Videokünstlerin Pola Rader, dem kybernetischen Künstler Dirk Hoffmeister, Techniker Sönke Ramert und dem Musik Duo „Pabameto“, arbeitet für die Stückentwicklung „UNTER DRUCK“ zum ersten Mal in dieser Zusammenstellung.
Unterstützung in konzeptionellen und dramaturgischen Punkten erfolgt durch Nina Reimann, Mentoring für Bewegung und Körperlichkeit durch die Tänzerin Sueki Yee.

Es besteht eine Kooperation mit dem Günter-Grass-Haus in Lübeck.

Ein paar Impressionen unserer Programmgestaltung der 20. Lübecker Museumsnacht am 27.08.22 in der Katharinenkirche:
D A S  T E A M
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SÖNKE RAMERT
Technik
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RONJA DONATH
Idee
Text
Schauspiel
in Kooperation mit
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